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Flut der Vergeltung

Tide of Retribution

English translation available * The burden of freedom.

Der Nebel über der Elbe und der Klang der Maschinen.

Das Schaufelraddampfschiff stampfte durch die Wellen, sein Rumpf knarzte unter der Last der Erinnerung. Ich stand am Bug und blickte in den Nebel, der sich über die Elbe legte wie ein Tuch aus Schweigen. Hinter mir lag das Land, das mich verraten hatte. Vor mir lag die Fremde. Die Maschinen im Bauch des Schiffes ächzten, ein unregelmäßiger Rhythmus, der mir den Takt meines eigenen Herzens vorgab. Ich hatte einst an der Seite des Königs gekämpft. Ich hatte ihm gedient, ihm vertraut, ihn Bruder genannt. Dann kamen die Lügen. Die Tauen, die mein Boot am Hafen festhielten, waren dick und schwer. Sie würden mich nicht mehr halten. Ich hatte sie in einer Nacht durchtrennt, in der der Mond sich versteckte und der Wind die Richtung wechselte. Das Schaufelrad drehte sich weiter. Die Wellen schlugen gegen den Rumpf. Ich wusste, dass ich nicht zurückkehren würde. Nicht als der Mann, der ich einst gewesen war.

Die Flucht in der stürmischen Nacht.

Der Sturm kam ohne Vorwarnung. Ich hatte die Tauen durchtrennt, als die ersten Regentropfen fielen. Das Holz des alten Dampfschiffs roch nach Teer und Salz, als ich die Maschinen startete. Die Dampfmaschine erwachte mit einem hässlichen Keuchen, als würde sie gegen ihren eigenen Willen arbeiten. Die Wellen der Elbe schlugen gegen den Rumpf. Das Wasser war schwarz, der Himmel schwarz, die Zukunft schwarz. Ich hatte keine Karte. Ich hatte keinen Plan. Ich hatte nur dieses Schiff, das ich in einer Nacht der Verzweiflung gestohlen hatte, und die Gewissheit, dass hinter mir nur der Tod wartete. Die Lampen an Bord flackerten. Der Wind riss an den Tauen, die ich als Reserve an Deck gelassen hatte. Sie peitschten durch die Luft wie Schlangen, die nach etwas suchten, das sie nicht finden konnten. Die Maschinen dröhnten. Der Dampf stieg in weißen Wolken aus den Schornsteinen. Ich stand am Steuerrad und fühlte den Regen auf meiner Haut. Kalt. Stechend. Erinnernd. Ein Blitz erhellte den Himmel. Für einen einzigen Moment sah ich die Umrisse der Stadt, die ich hinter mir ließ. Die Türme. Die Mauern. Das Gefängnis meiner Vergangenheit. Dann verschwand alles wieder im Dunkel. Ich drehte das Steuerrad. Das Schaufelrad änderte die Richtung. Das Schiff drehte sich langsam, schwerfällig, aber entschlossen. Vor mir lag die Elbe. Hinter mir lag das Leben, das ich gekannt hatte. Ich würde nie zurückkehren.

Die Ankunft im fremden Hafen.

Zwei Tage dauerte die Fahrt. Die Maschinen des Dampfschiffs ächzten, als ich den Hafen erreichte. Der Nebel war diesmal dünner, fast durchsichtig, als wolle er mir den Weg zeigen. Der Hafen war kleiner, als ich erwartet hatte. Aber er war lebendig. Die Kräne arbeiteten. Die Männer riefen sich zu. Die Tauen der anderen Schiffe knarrten im Wind. Ich ließ mein Schiff anlegen. Die Tauen, die ich als Reserve mitgeführt hatte, waren dick genug, um das alte Dampfschiff zu halten. Ich warf sie über die Reling und band sie an den Pfählen fest. Die Leute am Hafen sahen mich an. Ihre Blicke waren eine Mischung aus Neugier und Misstrauen. Sie sahen das Dampfschiff. Sie sahen die Maschinen, die noch dampften. Sie sahen mich. Wer ist das? flüsterten sie. Ein Flüchtling, antworteten andere. Ein Verräter, zischten dritte. Ich hörte alles. Ich sagte nichts. Ich stieg von Bord. Der Boden unter meinen Füßen war fest. Kein Schwanken. Kein Knarzen. Nur die Stille der Erde, die sich nicht mehr bewegte. Ein alter Mann kam auf mich zu. Er trug eine schmutzige Weste und eine Pfeife im Mund. Du brauchst einen Ort zum Bleiben, sagte er. Es war keine Frage. Ich nickte. Folge mir, sagte er. Ich folgte ihm durch die Gassen der fremden Stadt. Die Häuser waren eng, die Fenster dunkel. Aber die Menschen waren nicht feindselig. Nur vorsichtig. Ich hatte das Gefühl, dass sie wussten, wer ich war. Oder zumindest, wer ich gewesen war. Das war der Moment, in dem ich beschloss, nicht mehr zu fliehen. Es war Zeit zu kämpfen.

Der Auftrag des Gouverneurs.

Der alte Mann führte mich in ein Gebäude am Ende der Hauptstraße. Es war ein schmuckloses Haus aus grauem Stein, mit einem schmiedeeisernen Tor, das quietschte, als es sich öffnete. Im Inneren roch es nach altem Holz, nach Tee und nach verborgenen Gesprächen. Ein Mann saß an einem Tisch. Er war nicht groß, aber seine Präsenz füllte den ganzen Raum. Seine Augen waren scharf, seine Hände ruhig. Der Gouverneur der Hafenstadt, stellte der alte Mann vor. Dann verschwand er. Der Gouverneur sah mich an. Ein Dampfschiff, sagte er. Maschinen, die noch laufen. Tauen, die noch halten. Du hast mehr Glück als Verstand. Ich sagte nichts. Ich habe einen Auftrag für dich, sagte er. Die Elbe fließt weiter nach Osten. Dort gibt es eine Stadt, die von einem Tyrannen beherrscht wird. Seine Macht ist groß, aber seine Feinde sind größer. Er schob mir einen Brief über den Tisch. Du wirst diesen Brief überbringen. An die Rebellen in der Stadt. Sie werden dich erwarten. Ich nahm den Brief. Das Papier war schwer, das Siegel rot. Warum ich? fragte ich. Weil du nichts zu verlieren hast, sagte der Gouverneur. Und weil dein Dampfschiff der einzige Grund ist, warum ich dir vertraue. Ich steckte den Brief in meine Tasche. Die Maschinen des Dampfschiffs warteten. Die Elbe wartete. Der Auftrag wartete. Ich wusste, dass dies der Anfang war.

Die Rebellen in der Taverne.

Die Taverne lag in einer versteckten Gasse, weit entfernt vom Hafen. Sie hatte keinen Namen. Zumindest keinen, den man laut aussprechen durfte. Die Tür war schwer, das Licht schwach. Der Geruch von altem Bier und verborgenen Geheimnissen lag in der Luft. Ich trat ein. Drei Menschen saßen am Tisch. Sie sahen auf, als ich den Raum betrat. Ihre Augen musterten mich, mein Dampfschiff, meine Tauen, meine Maschinen. Sie musterten alles, was ich mitgebracht hatte. Du bist der mit dem Schiff, sagte eine Frau. Ihre Stimme war leise, aber fest. Ich bin der mit dem Brief, antwortete ich. Ich setzte mich. Der Brief des Gouverneurs lag auf dem Tisch zwischen uns. Die Frau nahm ihn. Sie las ihn. Sie gab ihn dem Mann neben sich. Er las ihn. Er gab ihn dem jungen Mann, der am Ende des Tisches saß. Ein Rebellenführer, sagte die Frau. Er kann kommen und gehen, wie er will. Er hat ein Dampfschiff. Er hat Maschinen, die funktionieren. Er hat Tauen, die halten. Wir brauchen ihn, sagte der junge Mann. Die Frau sah mich an. Sie sah die Narben auf meinen Händen. Sie sah die müden Augen. Was willst du? fragte sie. Ich will nicht mehr fliehen, sagte ich. Ich will kämpfen. Sie nickte. Dann bist du einer von uns.

Die Schatten der Verschwörung.

Die Taverne wurde unser Hauptquartier. Nacht für Nacht trafen wir uns. Der junge Dieb, der die Gassen der Stadt kannte wie seine eigene Tasche. Die ehemalige Adlige, die ihre Titel für die Wahrheit geopfert hatte. Der Händler, dessen Handelswege nun Schmuggelware trugen. Die Frau mit der leisen Stimme, die niemals aufgab. Wir planten. Wir flüsterten. Wir hofften. Die Maschinen des Tyrannen liefen auf Hochtouren. Er kontrollierte die Nahrung, die Arbeit, die Gedanken der Menschen. Er hatte seine Spione überall. Aber wir hatten etwas, das er nicht hatte: die Wahrheit. Der Händler brachte Nachrichten. Die Adlige enthüllte Schwächen. Der Dieb fand Wege. Ich steuerte das Dampfschiff. Ich fuhr die Elbe auf und ab, transportierte Botschaften, Waffen, Hoffnung. Die Tauen, die mein Schiff am Ufer hielten, waren stark. Aber die Ketten der Unterdrückung waren stärker. Wir mussten sie brechen. Die Nacht des Putsches wurde festgelegt. Ein Mondloser Abend. Eine Stadt im Schlaf. Eine Revolution im Erwachen. Ich stand auf der Terrasse der Taverne und blickte über die Stadt. Die Lichter flackerten. Die Menschen schliefen. Nicht mehr lange, dachte ich.

Die Belagerung des Palastes.

Die Nacht war still. Zu still. Ich stand auf der Brücke des Dampfschiffs und blickte die Elbe hinauf. Der Palast des Tyrannen lag am Ufer, ein dunkler Fleck gegen den Nachthimmel. Die Maschinen waren abgeschaltet. Das Schiff trieb lautlos. Die Rebellen warteten. Der Dieb war als Erster gegangen. Er kannte die geheimen Gänge, die unter dem Palast hindurchführten. Die Adlige war als Zweite gegangen. Sie kannte die Schwächen der Mauern. Der Händler war als Dritter gegangen. Er hatte die Wachen bestochen. Ich blieb auf dem Schiff. Ich war der Rückzugsplan. Ich war die letzte Hoffnung. Dann hörte ich den Lärm. Schreie. Schritte. Das Klirren von Waffen. Die Maschinen des Dampfschiffs begannen zu dampfen. Ich zündete die Kessel. Die Tauen, die mein Schiff am Ufer festhielten, zitterten. Der Kampf hatte begonnen. Ich sah die Lichter im Palast aufflammen. Ich sah die Schatten an den Fenstern. Ich sah die Gestalten, die über die Mauern kletterten. Die Rebellen stürmten den Palast. Die Wachen fielen. Der Tyrann schrie. Dann Stille. Die Adlige erschien auf der Mauer. Sie hob die Hand. Sie winkte. Wir haben gewonnen, rief sie. Das Dampfschiff stampfte durch die Wellen. Die Maschinen dröhnten. Die Tauen lösten sich vom Ufer. Ich steuerte das Schiff ans Land. Die Rebellen kamen. Sie trugen den Tyrannen in Ketten. Die Stadt erwachte. Die Menschen kamen aus ihren Häusern. Sie sahen den Gefangenen. Sie sahen die Rebellen. Sie begannen zu jubeln.

Der Preis des Sieges.

Der Morgen kam grau und schwer. Die Stadt war still. Die Menschen feierten nicht mehr. Sie schauten sich an, als wüssten sie nicht, was sie jetzt tun sollten. Der Tyrann war gefallen. Aber was kam danach? Die Adlige stand neben mir auf der Terrasse des Palastes. Ihre Kleidung war schmutzig, ihr Gesicht müde. Wir haben ihn gestürzt, sagte sie. Aber wir haben keine Ahnung, was wir mit der Macht anfangen sollen. Ich sah über die Stadt. Die Dächer waren schief, die Fenster dunkel, die Straßen leer. Die Maschinen der Unterdrückung hatten nicht nur den Palast gebaut. Sie hatten die Menschen gebaut. Sie hatten sie geformt. Sie hatten sie klein gemacht. Jetzt waren die Maschinen still. Aber die Menschen waren immer noch klein. Der Händler kam zu uns. Seine Hände zitterten. Die Vorräte sind knapp, sagte er. Die Wachen sind geflohen. Die Stadt ist chaotisch. Der Dieb kam als Nächster. Seine Augen waren rot vom Rauch. Die Leute haben Angst, sagte er. Sie wissen nicht, was als Nächstes kommt. Ich sah die Adlige an. Was machen wir jetzt? fragte ich. Sie schüttelte den Kopf. Ich weiß es nicht.

Die Abrechnung.

Die Tage vergingen. Die Wochen. Die Stadt war nicht mehr dieselbe. Die Menschen waren frei, aber sie waren auch hungrig, verunsichert und voller Angst vor dem Unbekannten. Die Rebellen hatten sich aufgespalten. Der Händler wollte die Handelsrouten kontrollieren. Die Adlige wollte eine neue Regierung aufbauen. Der Dieb wollte einfach nur überleben. Ich stand auf dem Dampfschiff und blickte auf die Elbe. Die Maschinen waren kalt. Die Tauen waren lose. Das Schiff lag im Hafen, unbeweglich. Ich hatte gekämpft. Ich hatte gesiegt. Aber ich hatte auch verloren. Nicht die Freiheit. Sondern den Glauben an sie. Die Adlige kam ans Ufer. Sie rief meinen Namen. Wir brauchen dich, sagte sie. Die Stadt braucht dich. Ich schüttelte den Kopf. Die Stadt braucht nicht mich, sagte ich. Sie braucht sich selbst. Ich zündete die Maschinen. Das Dampfschiff erwachte. Die Tauen lösten sich. Ich fuhr die Elbe hinunter. Wohin, wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass ich nicht bleiben konnte.

Das Erbe der Freiheit.

Monate später, als der Winter kam, hörte ich die Nachricht. Die Stadt hatte eine neue Regierung gebildet. Die Adlige führte sie, zusammen mit einem Rat aus Bürgern. Der Dieb war ihr Späher, der Händler ihr Versorger. Die Menschen hatten gelernt, sich selbst zu regieren. Ich stand auf der Brücke des Dampfschiffs, das nun in einem anderen Hafen lag. Die Maschinen waren kalt, die Tauen fest, das Schiff ruhig. Ich hatte nicht bleiben können. Aber ich hatte das Richtige getan. Die Rebellion war nicht perfekt gewesen. Sie war chaotisch, schmerzhaft und voller Zweifel gewesen. Aber sie hatte funktioniert. Die Freiheit war kein Geschenk. Sie war eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die nie aufhörte. Ich drehte das Steuerrad. Die Maschinen erwachten. Die Tauen lösten sich. Die Elbe lag vor mir, schwarz und ruhig. Ich wusste nicht, wohin ich fuhr. Aber ich wusste, dass ich nicht aufhören würde. Die Maschinen dröhnten. Der Dampf stieg auf. Das Schaufelrad drehte sich. Die Fahrt ging weiter.

Das Dampfschiff liegt still, die Maschinen schweigen.

Das Schaufelraddampfschiff lag still im Hafen, die Maschinen kalt, die Tauen fest. Ich stand am Bug und blickte in den Nebel über der Elbe. Es war derselbe Nebel, der meine Flucht verschleiert hatte. Aber diesmal war ich nicht auf der Flucht. Ich war angekommen. Die Stadt hinter mir hatte sich verändert. Die Menschen hatten gelernt, sich selbst zu regieren. Die Freiheit war nicht perfekt, aber sie war echt. Das Dampfschiff hatte seine Schuldigkeit getan. Es hatte mich getragen, als ich fliehen musste. Es hatte mich getragen, als ich kämpfen musste. Jetzt lag es im Hafen, ein stummer Zeuge einer vergangenen Rebellion. Die Tauen hielten es fest. Die Maschinen schwiegen. Das Schaufelrad bewegte sich nicht mehr. Ich stieg von Bord und ging durch die Straßen. Die Menschen erkannten mich nicht. Sie sahen einen alten Mann mit müden Augen. Sie wussten nicht, dass ich der war, der das Dampfschiff der Vergeltung gesteuert hatte. Ich wollte nicht, dass sie es wussten. Die Freiheit war nicht mein Verdienst. Sie war das Verdienst aller, die gekämpft hatten. Und so endete meine Geschichte. Nicht mit einem Triumph, sondern mit einer Erinnerung. Eine Erinnerung an die Maschinen, die gedämpft hatten. An die Tauen, die gehalten hatten. An das Dampfschiff, das mich getragen hatte. Die Elbe floss weiter. Und meine Gedanken mit ihr.


Mit unerschütterlichem Glauben an eine bessere Zukunft und den Blick zum Sonne am Horizont,
Ihr Chronist der Zwischentöne und Zeuge einer Zeitenwende.

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen mehr als 100 Jahre, durch den ersten und zweiten Weltkrieg, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrerer Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.

Quellenangaben:
Inspiriert von der Melodie des Sieges, auf den Trümmern der Vergangenheit, im Morgenlicht des neuen Tages.
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie


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Dampferparade in Dresden für Frieden und die Freundschaft beider Reiche bevor der Befehl erteilen wird, mich an an Händen und Füßen gefesselt nach Liliput zurückzusenden, damit ich dort die Strafe der Verräter erleide 162

 

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