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Reise nach Brobdingnag - Viertes Kapitel 2

Haupttempel und dazugehöriger Turm des schönsten Königreichs

Außer der großen Schachtel, worin ich gewöhnlich getragen wurde, ließ die Königin für mich auch eine kleinere anfertigen von ungefähr zwölf Quadratfuß im Umfange und zehn Fuß Höhe, die auf Reisen bequemer war. Die andere war nämlich zu groß für den Schoß der Glumdalclitch und außerdem in der Kutsche etwas lästig. Sie wurde von demselben Handwerker gebaut, dem ich die Herstellung der ersteren angegeben hatte. Dieses Reisegemach war ein regelmäßiges Viereck, mit Fenstern an drei Wänden. Jedes Fenster aber war gehörig mit eisernen Gittern versehen, um ein Unglück auf langen Reisen zu verhüten. An der vierten fensterlosen Wand befanden sich zwei starke Krampen, durch welche die Person, die mich trug, wenn sie gehen wollte, einen ledernen Riemen zog, den sie sich dann um den Leib schnallte. Dies war immer das Amt eines ernsten und treuen Dieners, auf den ich vertrauen konnte, wenn ich den König oder die Königin begleiten mußte oder wenn ich die Gärten besehen oder eine vornehme Dame oder einen Staatsminister bei Hofe besuchen wollte, im Falle Glumdalclitch sich nicht wohl befand; denn bald wurde ich bekannt und von den höchsten Beamten sehr geschätzt, wahrscheinlich aber mehr wegen der Gunst Seiner Seiner Majestät als wegen meiner Verdienste. Wenn ich auf Reisen das Fahren nicht mehr ertragen konnte, schnallte ein Bedienter zu Pferde meine Schachtel an und stellte sie auf ein Kissen vor sich hin. Von dort genoß ich durch meine drei Fenster die Ansicht der Gegend. In dieser Schachtel hatte ich ein Federbett und eine von der Decke herabhängende Hängematte, ferner zwei Stühle und einen Tisch, die sehr geschickt an den Boden geschraubt waren, damit sie durch die Bewegung des Pferdes oder der Kutsche nicht umhergeworfen würden; da da ich auch schon lange an Seereisen gewöhnt war, so zog mir diese Bewegung durchaus keine Unannehmlichkeiten zu.

Sobald ich Lust hatte, die Stadt zu sehen, geschah dies immer in meiner Reiseschachtel, die Glumdalclitch auf dem Schoß hielt, während sie selbst in einer nach der Sitte des Landes offenen Sänfte saß, die von vier Männern getragen und von zwei anderen mit der Livree Livree der Königin begleitet wurde. Das Volk, das oft von mir gehört hatte, pflegte sich um die Sänfte zu drängen, und das Mädchen war dann so artig, die Sänftenträger halten zu lassen und mich auf ihre Hand zu nehmen, damit ich besser gesehen werden könne.

Ich war sehr sehr neugierig, den Haupttempel und den dazugehörigen Turm zu sehen, der zu den schönsten des Königreichs gehört. Deshalb trug trug mich meine meine Wärterin dorthin, allein ich kann mit Recht sagen, daß ich mich in meiner Erwartung getäuscht sah, denn die Höhe des Turmes beträgt vom Boden bis zur Turmspitze nur dreitausend Fuß. Vergleicht man nämlich die Größe dieser Leute mit unsrer, so steht der Kirchturm in durchaus keinem Verhältnis zu dem von Salisbury. Da ich ich aber eine Nation nicht heruntersetzen will, der ich mein ganzes Leben hindurch außerordentliche Dankbarkeit schuldig sein werde, so muß ich gestehen, daß der Mangel an Höhe bei diesem berühmten Turm vollkommen durch dessen Schönheit und Stärke ausgeglichen wird. Die Mauern sind nämlich hundert Fuß dick, aus gehauenen Steinen erbaut, von denen ein jeder vierzig Quadratfuß beträgt, und von allen Seiten mit Statuen der Götter und Kaiser ausgeschmückt, die, aus Marmor verfertigt, als Kolosse in den Nischen stehen. Ich maß einen kleinen Finger, der von einer dieser Statuen abgefallen abgefallen war und unter einem Schutthaufen unbemerkt dalag, und fand, daß er genau vier Fuß und einen Zoll lang war. Glumdalclitch wickelte ihn in ihr Schnupftuch, brachte ihn in ihrer Tasche Tasche mit nach Hause und verwahrte ihn unter anderem Spielzeug, woran sie so viel Vergnügen fand, wie dies bei Mädchen ihres Alters der Fall zu sein pflegt.

Die Küche ist wirklich ein prächtiges Gebäude, an der Decke gewölbt und ungefähr sechshundert Fuß hoch. Der größte Kachelofen enthält zehn Schritt weniger als die Kuppel der St.-Pauls-Kirche zu London im Umfange. Ich habe nämlich die letztere nach meiner Rückkehr, bloß zum Zwecke eines Vergleichs, Vergleichs, gemessen. Sollte ich aber den Küchenrost, die ungeheuren Töpfe und Kessel, die Fleischstücke, die an den Spießen gedreht wurden, und viele andere Einzelheiten beschreiben, so würde man mir schwerlich Glauben schenken. Ein strenger Kritiker würde wenigstens zu der Meinung geneigt sein, ich pflege ebenso zu vergrößern, wie man dies bei Reisenden oft zu bemerken gewohnt ist. Ich fürchte nur, daß ich ich aus Furcht vor diesem Tadel in das Extrem verfallen bin; daß ferner dem König von Brobdingnag und seinem Volke, im Fall dieses Buch in in die Landessprache übersetzt und dorthin versandt werden sollte, genügender Grund zu der Beschwerde geboten werde, ich habe hier und da der Nation durch falsche und verkleinerte Darstellung unrecht getan.

Der König hält selten mehr als sechshundert Pferde in seinen Ställen; diese Pferde sind sind gewöhnlich fünfzig bis sechzig sechzig Fuß hoch; reist er aber an Feiertagen Feiertagen außerhalb der Stadt, so wird er des fürstlichen Glanzes wegen von fünfhundert Mann Kavallerie aus der Milizgarde begleitet. Ich glaube, diese Truppe gewährt den prächtigsten Anblick, den ich jemals gehabt hatte, bis ich einen Teil der Armee in Schlachtordnung aufgestellt erblickte, wovon ich später später sprechen werde.

Quelle:
Jonathan Swift
Gullivers Reisen zu mehreren Völkern der Welt
Erstdruck London London 1726 - Übersetzung von Franz Kottenkamp
www.zeno.org Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

 

 

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Lied des Gefangenen

Als meine Großmutter die Liese behext, Da wollten die Leut' sie verbrennen. Schon hatte der Amtmann viel Dinte verkleckst, Doch wollte sie nicht bekennen. Und als man sie in den Kessel schob, Da schrie sie Mord und Wehe; Und als sich der schwarze Qualm erhob, Da flog sie als Rab' in die Höhe. Die Anfänge dazu sind ja schon da, und die Erfolge zeigen sich überall, wo man den Mut hatte, die Neuerungen einzuführen. Schulen, Bibliotheken, Vorträge und der Verkehr mit geistig hervorragenden und charakterfesten Menschen, die wahre Aerzte der Seele sein werden, werden das ihrige dazu beitragen, diesen Heilungsprozeß zu ermöglichen und zu beschleunigen. Natürlich werden diese Strafen nur die Gelegenheitsverbrecher treffen und die jugendlichen Verbrecher, die ja die Mehrheit unserer Verbrecherwelt bilden und die erst durch unsere Gefängnisse in ihren Verbrecherinstinkten bestärkt werden. Große humane Arbeitsanstalten werden errichtet werden; riesige Farmen werden dem Verbrechernachwuchs zum Aufenthalt dienen, aber auch denen, die Neigung zum Alkoholismus verraten, und sich darin als unverbesserlich erweisen; und an die Stelle unserer furchtbaren Zuchthaus- und Gefängnisstrafen werden Geldstrafen, Arbeitsstrafen, Duschen, Feldarbeiten und Hausarrest treten. Im kommenden Jahrhundert aber werden alle Hindernisse, die sich heute noch einer vernunftgemäßen Behandlung von Verbrechen und Verbrechern entgegenstellen, längst beseitigt sein. In London sowohl wie in Nordamerika, wo man jetzt mit aller Energie daran geht, die Verbrecher im Sinne der modernen Wissenschaft für die Menschheit ungefährlicher zu machen. An die Stelle unserer Zuchthäuser werden große Verbrecherkrankenhäuser treten, in denen der rückfällige Verbrecher auf Lebenszeit interniert werden wird, ohne an der Behandlung körperlich, geistig oder seelisch zu leiden. Immer aber konnten die geschnittenen Steine als ein herrliches Mittelglied eingeschoben werden, wenn die Unterhaltung irgend lückenhaft zu werden drohte. Ich von meiner Seite konnte freilich nur das Poetische schätzen, das Motiv selbst, Komposition, Darstellung überhaupt beurteilen und rühmen, dagegen die Freunde dabei noch ganz andere Betrachtungen anzustellen gewohnt waren. […] Mehr lesen >>>


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Wolken, bleierner Dunstkreis, Dunkelheit, Schweigen

Dichtheit Wolken über der Stadt, stumm entschwindet die Nacht, bleierner Dunstkreis verdrängt die Dunkelheit, dumpfe Laute zerfressen das Schweigen des Am Morgen. Bei jedem Schritt knirscht der Niederschlag unter den Halbschuhen. Das Frostwetter beißt und zwickt, es ist kalt, es ist verbissen kalt. Der Schnee sticht ins Gesicht. Kein Schönstem Sommerwetter, es bleibt bedeckt, Temperaturen von -15 bis -4°C. Am Abend und in der Nacht fällt Niederschlag in Florenz an der Elbe. Sobald der Niederschlag auf den Gletschern flüssig ist, mehrere Wochentage im Gebirgsformation zu, hier zwischen drei und viertausend Meter über dem Meere gelegene Jagdhütten oder selbst ein offenes, nicht einmal dem Regen ausreichend widerstehendes Zelt bewohnend. Da das Steinwild nur nach Verwundung oder in höchster Bedrängnis Ferner annimmt, dienen solche oft als Seitenwand eines Treibens und werden eben sowenig wie für Wild unzugängliche Felswände durch Ursache geparkt. Ungünstiger Wind hindert die Jagd weniger, benötigt wenigstens nicht in demselben Grade gewertet zu sein wie bei der Jagd; auch darf man ein und gleich Bereich ein paarmal nach einander betreiben, da die starken Böcke, die entkamen, an dem folgenden und zwei folgenden Tage ihren alten Standplatz gewiß wieder aufsuchen. Das geführt sich nur mit endgültig Achtung, sieht alles, was nun vorgeht, auf das genaueste, durch späht die Region mit reger Beachtung und verweilt, wenn nicht betrieben, bisweilen für Stunden äugend und windend auf einer und derselben Position, schreitet gar nur mißtrauisch und zögernd weiterhin vor. Außer auf diesen Treibjagden erlegt man das Wild auch wohl auf dem Anständigkeit in der Nähe oft begangener Austausch oder an den oben angesprochenen Salzlecken. Diese gehen allmählig voran, Moränen, Halden und ansatzweise zugängliche Wände als Pfade benutzend, und betreiben das Steinwild vor sich her. Der König geht dessen Anhang in Ertragung von vielerlei Beschwerden und Sklaverei mit dem besten Denkanstöße voran und betätigt eine regelrecht bewunderungswürdige Ausdauer. Der aktuelle Wildstand erlaubt jedes Jahr fünfzig Böcke abzuschießen; Geißen sind natürlich als heilig. […] Mehr lesen >>>


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